Räyskälä, 11. Juni

Leider läuft das Internet noch nicht so stabil, wie man sich das wünscht. Deshalb läuft die Berichterstattung etwas schleppend.

Der Flugplatz füllt sich langsam, außer uns haben einige Briten, Australier, Schweden und jede Menge Finnen Räyskälä bereits erreicht :-). Gestern hatten wir unseren ersten Flugtag. Nach dem Auskuppeln empfing einen erst mal das erwartete Bild, Süden: Wald, Osten: Wald, Norden: Wald, Westen: Wald. Jetzt könnt ihr meine Kreisrichtung erraten. Bei mäßigen Steigen, 1200 m Basis und großen Anteilen Blauthermik erkundeten wir den näheren Flugplatzbereich. Zwischendrin simulierten wir mehrere Endanflüge aus verschiedenen Richtungen, um ein Gefühl für die Optik zum Flugplatz hin zu bekommen. 17:30 Uhr war dann genug, man hätte aber gut und gern noch bis 20:00 Uhr weiterfliegen können. Anbei der Link zu unserem Flug: http://www.onlinecontest.org/olc-2.0/gliding/flightinfo.html?dsId=3772266.

Insgesamt kann man festhalten, dass zumindest hier im Süden die Aussenlandesituation doch recht moderat ist. Die Dimensionen der Waldflächen halten sich in Grenze und sind immer wieder mit landbaren Lichtungen durchsetzt. Das Land ist platt wie eine Flunder. Zur Navigation bieten sich haupsächlich Seen in verschiedenster Größe und Form an. Ortschaften sucht man hier fast vergebens. Selbst als größere Städte in der Karte eingezeichnete Ortschaften bestehen meist nur aus einem Haus und einer Scheune und einem Hund.

   Startvorbereitung

  Räyskälä Airfield

   Chrissi im Vorflug

   Wolf im Schafspelz, Danke an Clouddancers

 

 

Letzter Systemcheck

Kai ist nun schon in Finnland und bei mir dauert es auch nicht mehr lange.

Da ich dieses Jahr noch nicht wirklich viel Libelle geflogen bin, wollte ich vor Finnland auch noch einmal einen Start machen. Gesagt, getan, und am heutigen Pfingstmontag auf den Flugi gefahren. Die Randbedingungen waren ein wenig anspruchsvoll, 35 Grad und viel Sonne wurde vorhergesagt. So wurde ich auch beim Zusammenstecken des Flugzeugs von dem Ein oder Anderen ein wenig mitleidig angeschaut. Draußen am Start angekommen hieß es dann noch ein wenig warten, bis die Thermik einsetzt. Bei solch heißen Bedingungen kann es dauern. . .

Nach einem Startumbau sind wir dann kurz nach 12 in die Luft gekommen. Im Bereich Böhmische Schweiz und Zittauer Gebirge hatten sich ein paar vereinzelte Wölkchen gebildet. Diese zu erreichen war zunächst das Ziel, was mir dann auch recht zügig gelang. Unter den Wolken in 2500m Höhe war es dann auch angenehm kühl. Interessant war allerdings die Tatsache, dass es keine einheitliche Höhe der Wolkenbasis gab, wie auf dem folgenden Foto zu sehen.

 Wolkenbild

Links unten liegt Sebnitz, Blickrichtung Nordosten über den Hohwald

Alles in allem hat die Technik funktioniert. Allerdings habe ich wieder festgestellt, dass das Mikrofon noch so umgebaut werden muss, dass es kurz vor dem Mund ist. Wenn man mehr als 5mm vom Mikro weg ist, versteht einen keiner mehr. Dazu muss noch ein längeres Kabel angelötet werden. Dies ist bis zum kommenden Samstag, meinem Abreisetag, eine machbare Aufgabe.

 

Finnland wir kommen

Jetzt bin ich schon fast da. Noch eine Stunde Fähre, Giga und die Kids vom Flughafen in Helsinki abholen und dann nach Räyskälä düsen.

Gestern hatten wir eine wunderschöne Fahrt. Ich bin gegen fünf Uhr in den Sonnenaufgang gestartet. Am Berliner Ring ist dann noch Maris zugestiegen, so konnten wir uns in die Fahrzeiten rein teilen. Die Straßen waren bis auf kleine Teilstrecken gut und erstaunlich leer. Selbst die tausend Kilometer Landstraße zwischen Warschau und Tallinn haben wir mit einem achziger Schnitt recht entspannt absolviert.

Die Landschaft war die ganze Zeit sehr eben, aber gerade der östliche Teil Polens, sowie alle drei baltischen Länder waren echt sehenswert. Niedliche kleine Holzhäuschen, naturbelassene Felder und Wälder, Storchennester, mindestens drei in jedem Dorf. Das Abendlicht war der Hammer. Unser Nachtlager haben wir dann direkt am Ostseestrand, kurz hinter Riga aufgeschlagen. Nach einem morgendlichen Bad und einem gemütliche Frühstück ging es dann die restlichen knapp 300 km bis Tallinn.

 

Start

 

Schnell den Maris eingesammelt

 

Kilometer weit gerade aus auf leeren Straßen

 

Fahrt in den Sonnenuntergang

 

Mitternacht an unserem Schlafplatz

 

Schlafplatz am Morgen

 

Fähre

Wahlsonntag

Ja gute Frage, was sollte man heute wählen? Erst wählen, dann auf den Flugi? Erst Fliegen und dann wählen und dann natürlich welche Flugstrecke sollte man heute wählen? Alles Fragen, die einem so früh am Morgen leicht überfordern können. Manu und ich entschieden uns nach Abwägung der Lage erst mal ins Wahlbüro zu marschieren und danach so schnell wie möglich auf den Flugplatz zu düsen um neben dem Aufrüsten auch noch die sonstigen Wahlentscheidungen rechtzeitig vor Thermikbeginn zu treffen.

     

Manu begrüßt den 3T                                                                           Schubi, schon etwas geschafft vom Aufrüsten

Auf dem Flugi gesellten sich zu unserer kleinen aber feinen Runde an Streckensegelflugorientierten auch noch Schubi und Alex Lajn. Wer Alex noch nicht kennt: nach den Stationen Suhl und Roitzschjora hat es ihn nun nach Pirna verschlagen. Mit seiner großen Erfahrung, einschließlich zwei Jahren in der Juniorennationalmannschaft, wird er unserem Verein sicherlich gut tun und dabei helfen, aus dem kleinen noch brennenden Licht wieder ein wild loderndes Streckenflugfeuer zu entfachen.

Aber zurück zum geschehen. Manu schnappte sich den Nimbus, musste aber noch bevor es richtig losging aufgrund eines technischen Problems zurückstecken. Wir restlichen Clubis wählten eine typische Pirnaer Aufgabe: ein Dreieck, dass nicht wie ein Dreieck aussieht. Wer sich den OLC-File ansieht wird wissen was ich meine, halt eine krumme Gurke. Sei’s drum, auch krumme Gurken müssen erst mal geflogen werden. Burg-Eisenhüttenstadt, also ca. 530 km FAI waren unser Ziel.

Wie so oft fing auch dieser Tag sehr schleppend an. Nach unserem Start um 11:30 Uhr quälten wir uns bei Basishöhen von 800 m und mäßigen Steigen erstmal um den Dresdner Luftraum nach Norden. Nach gut einer Stunde wies mein Rechner noch immer sage und schreibe 190 km bis zur ersten Wende aus. Das konnte ja heiter werden. Von nun ab hatten wir jetzt wenigsten die kamenzer LS1 (LG) vor uns und wir versuchten es der mal so richtig zu zeigen. Aber weit gefehlt. Da saß wohl ein ziemlich zäher Hund drin. Die nächsten 4 Stunden lieferten wir uns einen heißen Kampf um jeden Meter. Viele Grüße an Tom Schubert aus Kamenz ;-)

   

Flugplatz Pirna, 11:30 Uhr                                                                      Lichtspiele im Tagebau bei Schwarzheide

Im Nordwesten verbesserten sich die Bedingungen dann deutlich. Basishöhen um 1500 m, Steigen um 3 m/s und Aufreihungen unter Wolken wie auch im Blauen ließen ausreichend Zeit um den Flug in vollen Zügen zu genießen und die Gedanken schweifen zu lassen. Die Landschaft zog unter uns im Zeitraffertempo dahin. Burg umrundeten wir fast im Zeitplan um 14:35 Uhr und auch der Weg nach Osten stellte uns nicht wirklich vor kniffelige Aufgaben. Für circa 3 Stunden konnten wir einen guten hunderter Schnitt halten. Ab etwa Höhe Cargolifterhalle wähnten wir uns zumindest visuell in Australien. Aber es war wohl auch noch sehr viel Wasserdampf der letzten Regentage aufgestiegen. Wir waren nun nicht mehr ganz so schnell. Eisenhüttenstadt erreichten wir dennoch pünktlich um 16:30 Uhr.

  

Bilderbuchwetter kurz vor Burg                                                                Schubi auf dem Rückweg

Der Rückweg nach Pirna verlief nicht mehr superschnell aber problemlos. Die Kraftwerke Peitz und Schwarze Pumpe brachten sichere Bärte. Ab Hoyerswerda brach das Wetter etwas ein. Wie sollte es anders sein. Die letzten 40 km schlichen wir im Blauen unter dem Luftraum von Dresden nach Hause. Eine schöner ruhiger 1,5 m – Bart bei Burkau brachte uns dann auf Endanflughöhe. Ein wiedermal überaus fantastischer, erlebnisreicher Sonntagsausflug neigte sich dem Ende. Danke an Schubi und Alex. Manu: wir litten den ganzen Tag mit dir!

   82 wieder zu Hause